#Election2016 | Kommunikation

Kuhmist in den Nachrichten und Faktencheck

#ELECTION2016 (Twitter): Es ist in den letzten Wochen und Monaten viel geschrieben  worden über den Republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump. Tatsächlich kann man das Gefühl bekommen, dass nicht ein einziger Tag vergeht, an dem nicht irgendeine Meldung auf eurer liebsten Nachrichtenseite Trumps Äußerungen aufgreift. Und um milde Worte zu finden: Zumeist sind Trumps Äußerungen kontrovers.

Wahlkampfzeit ist arbeitsintensiv, nicht nur für die Kandidaten, sondern auch für all jene, die darüber berichten. Soweit nichts Neues, aber geht es euch bei dieser Wahl auch so, dass der Skandal-Level besonders hoch ist? Noch bevor man Sinn und Unsinn von unterschieden hat, kommt auch schon das nächste „dicke Ding.“ Dazu mehr in dem unten eingefügten Nachtrag.

Orientierung über richtige und falsche Aussagen versucht die Website Politifact zu bieten. Nach einem Faktencheck schlägt deren Kuhmist-Detektor genüsslich aus.  Sie bieten Kontext und Hintergründe für zahlreiche Aussagen aus der Politik. Auch Nate Silver (Wikipedia EN) gelingt es mit ausgezeichneten Hochrechnungen auf FiveThirtyEight festzuhalten, welcher Kandidat die Nase vorn hat. Wobei auch er sich mal irren kann. Er habe nicht vorhergesehen, dass Trump der Kandidat der Republikanischen Partei wird. Hier gibt es einen ausführlichen Blogpost von ihm selbst über die Gründe. [Update vom 18. Nov. 2016: Silver hat auch nicht vorhergesehen, dass Trump zum Präsidenten gewählt wird. Dafür wird er u.a. von Allen Lichtmann ob seiner Methoden kritisiert.]

Dennoch bleibt das unsichere Gefühl, diesem gesamten Zirkus nicht mehr folgen zu können. Wer sich die Begegnungen von Trump und Clinton im Fernsehen angesehen hat, konnte zwar hinterher erahnen, wofür beide stehen, aber vieles war verpackt in einer Wortwolke aus vagen Begriffe, gegenseitigen (beleidigenden)  Anschuldigungen und  nichtssagenden Allgemeinplätzen. Enttäuschend und leidlich unterhaltsam.

Unverschlüsselte Wahlkampf-Emails

Mitten im Wahlkampf platzen die Podesta-Mails, Veröffentlichung von Wikileaks vom 7. Oktober 2016, die allesamt bezogen sind auf die Clinton-Kampagne. John Podesta ist Clintons Wahlkampfmanager.  Wer die Veröffentlichungen orchestriert hat und welche Auswirkung sie auf das Wahlergebnis haben, ist zu diesem Zeitpunkt spekulativ – das sehen nicht alle so –  und kann man gern woanders nachlesen. Nicht das die Emails nicht von Interesse sind.

Zwei der internen Emails will ich hervorheben. Sie ermöglichen einen Einblick hinter die Fassade von Politik und Wahlkampfstrategie. In einer Nachricht vom 25.01.2016 von Tony Carrk an das Clinton-Wahlkampfteam heißt es:

*CLINTON SAYS YOU NEED TO HAVE A PRIVATE AND PUBLIC POSITION ON POLICY*

*Clinton: “But If Everybody’s Watching, You Know, All Of The Back Room Discussions And The Deals, You Know, Then People Get A Little Nervous, To Say The Least. So, You Need Both A Public And A Private Position.”

* CLINTON: You just have to sort of figure out how to — getting back to that word, „balance“ — how to balance the public and the private efforts that are necessary to be successful, politically, and that’s not just a comment about today. That, I think, has probably been true for all of our history, and if you saw the Spielberg movie, Lincoln, and how he was maneuvering and working to get [the 13th Amendment (Wikipedia)]¹ passed, and he called one of my favorite predecessors, Secretary Seward, who had been the governor and senator from New York, ran against Lincoln for president, and he told Seward, I need your help to get this done. And Seward called some of his lobbyist friends who knew how to make a deal, and they just kept going at it. I mean, politics is like sausage being made. It is unsavory, and it always has been that way, but we usually end up where we need to be. But if everybody’s watching, you know, all of the back room discussions and the deals, you know, then people get a little nervous, to say the least. So, you need both a public and a private position. And finally, I think — I believe in evidence-based decision making. I want to know what the facts are. I mean, it’s like when you guys go into some kind of a deal, you know, are you going to do that development or not, are you going to do that renovation or not, you know, you look at the numbers. You try to figure out what’s going to work and what’s not going to work.
[Clinton Speech For National Multi-Housing Council, 4/24/13]“

Man braucht also eine private Meinung und eine öffentliche Position zu bestimmten Gesetzesinitiativen. Das kann man sich zwar denken, würde in einer öffentlichen Debatte nie so kommuniziert. Daher bin ich über die Ehrlichkeit hinter verschlossenen Türen überrascht.

Die Email enthält viele weitere Auszüge aus Clintons bezahlten Reden, die ihr Verhältnis zur Wallstreet widerspiegeln, ihre Rolle im Amt der Außenministerin und einiges mehr. Die Email umfasst auch einen 80 seitigen Anhang zu unterschiedlichsten Themen – für all jene, die nicht genug bekommen können.

Die zweite Nachricht vom 23.04.2015 klingt zunächst belanglos, bis man sich den Anhang ansieht. Darin wird die Strategie der Clinton Kampagne skizziert. Es wird erklärt, wie man gegen die möglichen Gegenkandidaten der Republikanischen Partei vorgehen möchte, zu einem Zeitpunkt, an dem noch nicht klar gewesen ist, wer vom RNC zum Republikanischen Präsidentschaftskandidaten gewählt wird. So wurden folgende Republikanische „Pied Piper“-Kadidaten (übers. „Volksverführer“ oder „Rattenfänger“) identifiziert:

  • Ted Cruz
  • Ben Carson
  • Donald Trump
  • ggf. andere

Die Strategie sah vor, mittels öffentlicher Kommunikation die Glaubwürdigkeit anderer moderaterer Kandidaten der Gegenpartei zu unterminieren, sodass die oben genannten Kandidaten mit extremeren Positionen sich durchsetzen. So würde man einen Teil der Wählerschaft ansprechen und für sich gewinnen, die sich sonst für einen moderateren Republikaner entscheiden könnten.

Das hat Trump im August gesagt und die Wikileaks-Veröffentlichungen von Clintons Wahlkampfmanager Podesta waren Anfang Oktober. Das bedeutet nichts, weil zuvor der DNC gehackt wurde und abertausende Emails der Demokraten von Wikileaks ins Netz gestellt wurden. Eine Chronologie findet ihr u.a. hier (Wikipedia EN).

Sind die Wahlen manipuliert, wenn die Wahlkampfstrategie einer Seite ins Internet gespült wird? Ich lasse die Frage hier mal offen, aber eines dürften die Demokraten gelernt haben, sie werden künftig bessere Verschlüsselung einsetzen.

Also in anderen Worten: Donald Trump ist ein Wunschkandidat der Clinton-Kampagne. Nachvollziehbar, aber wir wollen mal hoffen, dass es den Demokraten nicht noch auf die Füße fällt. Am 8. November sind wir alle klüger.

Ergänzung:
Es fiel mir schwer, nicht ganz einen Monat später nachzuvollziehen, in welcher zeitlichen Reihenfolge die Podesta-Emails zum Schaden von Clinton  oder das Umkleide-Gelaber-Grapscher-Video zum Nachteil  von Trump veröffentlicht worden sind. Beides erschien am 7. Oktober² und wurde je nach Medium unterschiedlich zeitnah aufgegriffen. Das allerdings halte ich nicht für einen Zufall. Wenn nicht das eine als Reaktion auf das andere dann zumindest beides als Vorbereitung für das zweite TV-Duell – mit oder ohne Wissen der beiden Kampagnen.

=== Nachtrag, 8. Nov. 2016 ===

In der letzten Woche wurde in dem Podcast Lage der Nation (Folge 28) eine Analyse von Trumps Sprache in Interviews und seinen öffentlichen Auftritten verwiesen. Elisabeth Wehling (Website), Forscherin der Kognitionswissenschaft, hielt einen Vortrag darüber, wie es Trump geschickt zu nutzen wusste, durch bestimmte Sprachbilder – Framings (Wikipedia DE) – über Monate hinweg konservative Wähler und Wechselwähler anzusprechen.  Der Vortrag ist im Podcast verlinkt und sehr hörenswert.

=== Nachtrag, 11. Nov. 2016 ===

Dieser Satz klingt zwar immer noch eine wenig seltsam, aber >> nach Recherchen von BuzzFeed << sind 100 Pro-Trump-Websiten ein einem kleinen Stadt in Mazedonien gehostet worden. Warum? Naja, denen ist Trump ziemlich schnurz, aber wenn Werbeeinnahmen erzielt werden können, indem aus Facebook US-Internetbenutzer auf die eigene Site gelockt werden können, dann nur zu. Hierfür werden amerikanisch klingende Domains gesichert, Lügen  über Clinton erfunden. Fertig ist das Geschäftsmodell.

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¹Abschaffung der Sklaverei auf dem Gebiet der USA
²Zumindest laut theguardian.com

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